Historischer Verein des Kantons Schaffhausen

Aktuell


Das Vortragsprogramm 2017/2018 mit Schwerpunkt Reformation / frühe Neuzeit ist abgeschlossen. Nach dem Programm ist vor dem Programm! 2018/2019 werden die Schwerpunkte u.a. beim Landesstreik von 1918 liegen, bei der Spanischen Grippe und den 1968ern. Detailinformationen folgen!

Bild: Das Einhorn aus Conrad Gessners Historia Animalium (1551). Gessner, der Zürcher Stadtarzt und Universalgelehrte schuf mit seiner Historia das erste Tierlexikon mit wissenschaftlichem Anspruch. Gessner stand am Übergang zwischen antiker Gelehrsamkeit und eigenständiger neuzeitlicher Tierbeobachtung. Manchmal traute er mehr seinen eigenen Augen, manchmal hielt er sich lieber an das überlieferte Wissen – wie beim Einhorn, das in vielen Fabeln vorkam. Von den 25 von Gessner beschriebenen Fabelwesen zweifelte er 21 an, das Einhorn bestätigte er. Allerdings lautet die lateinische Bildüberschrift einschränkend: „die Abbildung ist so, wie sie heutzutage von den Malern gewöhnlich gemalt wird, aber Gewissheit habe ich davon nicht“. Gessners Einhorn ist damit ein Symbol für eine Welt im Aufbruch, zwischen Aberglauben und Wissenschaft. Bildnachweis: Wikimedia Commons.

Religion Macht Politik – wie die Reformation am Beginn der Neuzeit unsere Städte prägte ist der  Titel des Vortrags von Prof. Dr. Schlögl von der Universität Konstanz am 21.11. Die Reformation begann als akademische Debatte an einer Universität in der sächsischen Kleinstadt Wittenberg: Es wurden Thesen angeschlagen, die zu akademischen Disputationen aufriefen, Texte geschrieben und Bücher gedruckt, schließlich auch Flugblätter. Wie wurde daraus das epochale Ereignis der Reformation, wie wir sie heute umfassend verstehen? Professor Schlögl geht von der Stadt als Ort des reformatorischen Geschehens aus. Die spezifische soziale und politische Kultur der Stadt am Beginn des 16. Jahrhunderts trug entscheidend zur Dynamik des reformatorischen Geschehens bei und machte die Reformation zum „urban event“, bei dem aus erwartbaren Vorfällen schliesslich das ungewöhnliche und epochemachende Ereignis entstand.

Am  31. Oktober bot Professor Dr. Bernd Roeck von der Universität Zürich einen faszinierenden Epochenüberblick: Eine Welt zwischen Aufbruch und Apokalypse – Europa um 1500″. Professor Roeck skizzierte eine Zeit voller Widersprüche, geprägt von glühender Frömmigkeit und religiösem Reinigungswahn ebenso wie der weltzugewandten Lust am Schönen – man denke nur an die Begeisterung für alles Antike. Mit Kolumbus‘ Fahrten bis Amerika begann sich der Horizont zu weiten; kurz nach der Jahrhundertwende malt Leonardo seine „Mona Lisa“. Zugleich erfährt der „Hexenhammer“, die fürchterliche Gebrauchsanweisung der Hexenverfolgung, immer neue Auflagen, und in Florenz seziert Machiavelli mitleidlos die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Mit dem zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts wird Kopernikus seine Himmelsrevolution beginnen, derweil die Mächtigen auf Erden ihre Kriege ausfechten, Hunger und Seuchen den harten Alltag der Menschen prägen.